Hochschulverein Mentor e. V.
Westsächsische Hochschule FH Zwickau

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Telefon: 0375 - 5 36 11 81

Ehrenamtlicher Geschäftsführer:
Dr.-Ing. Peter Mietke

Vereinsregisternummer: VR 646
Registergericht: Amtsgericht Zwickau

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Sebastian und Kristina Hendel – Meister der Langstrecken

Studierende, Leistungssportler, Eltern

Sebastian Hendel ist nicht nur ein angehender Wirtschaftsingenieur und Kristina seit September 2023 Studierende in der AKS,  sondern auch Eltern  und erfolgreicher Langstreckenläufer.

Leistungssport mit höchsten Ansprüchen zu betreiben und gleichzeitig mit einer akademischen Ausbildung die Grundlagen für eine gesicherte berufliche Zukunft zu legen, stellt die jungen Aktiven, die sich für diesen Weg entscheiden, vor immense Herausforderungen. Um diesen bestmöglich gerecht zu werden, arbeitet die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) als Partnerhochschule des Spitzensports eng mit dem Olympiastützpunkt Sachsen zusammen. Zusätzlich spielt der Mentor e.V. eine entscheidende Rolle, ein Förderverein der Hochschule, der die WHZ in vielfältiger Art und Weise unterstützt. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es Athleten wie dem Ehepaar Kristina und Sebastian Hendel aus Reichenbach im Vogtland, sowohl ihre sportlichen Ziele zu verfolgen als auch eine akademische Laufbahn zu verfolgen.

Kristina Hendel hat 2023 an der WHZ ein Studium in der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg aufgenommen, während Sebastian Hendel seit 2016 in Zwickau Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Als Sportler-Ehepaar ist ihr gemeinsamer Traum, einmal bei den Olympischen Spielen anzutreten. Auf dem Weg dorthin haben beide bereits beachtliche sportliche Erfolge erzielt.

Sebastian Hendel:

Teilnahme WM U20 1500m - Eugene, USA (2014)
8. Platz U23 EM 5000m - Bydgosczc, POL (2017)
Deutscher Meister 5000m und 10.000m - (2018)
Teilnahme EM 10.000m - Berlin (2018)
Deutscher Vizemeister 10.000m - Essen (2019)
Deutscher Vizemeister Halbmarathon - Hamburg (2021)
Schnellster Europäer - München Marathon (2022)

Kristina Hendel:

Teilnahme WM U20 3000m H - Barcelona, ESP (2012) 
Finalistin WM U18 2000m H - Donezk, UKR (2013)
Teilnahme EM U20 3000m H - Rieti, ITA (2013)
Teilnahme WM U20 3000m H - Oregon, USA (2014)
Finalistin EM U20 3000m H - Eskilstuna, SWE (2015)
Teilnahme EM U23 10.000, 5000m - POL (2017)
Team Gold im Marathon - EM München (2022)
 

Im Gegensatz zu Profisportlern wie Bundesliga-Fußballern oder Tennisstars ist es selbst Spitzen-Leichtathleten wie den Hendels wirtschaftlich nicht möglich, sich ausschließlich auf ihre Sportler-Karriere zu konzentrieren. Beim Vorbereiten auf eine gute berufliche Perspektive kommt ihnen die Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Olympiastützpunkt und Mentor e.V. der WHZ sehr zugute. Diese Kooperationen ermöglichen es, die Zeiten für Training und Wettkämpfe sowie für das Studium möglichst flexibel aufeinander abzustimmen und unterstützen die Hendels dabei, ihre Ziele im Sport und in ihrer akademischen Laufbahn zu erreichen.

„Es freut uns als Olympiastützpunkt Sachsen sehr, dass wir dem `Spitzensportlerehepaar Hendel` auf diesem Wege eine Unterstützung sind. Die Kooperation mit der Westsächsischen Hochschule ermöglicht den beiden, dass sie in ihrer besonderen Lebenslage neben Leistungssport und Familienmanagement ein Studium absolvieren können und sich somit auch für eine Zeit nach dem Leistungssport vorbereiten.“

-Ronny Kaiser

"Die Zusammenarbeit zwischen der Westsächsischen Hochschule, dem Olympiastützpunkt Sachsen und dem Mentor e.V. ist für uns als Sportlerpaar von unschätzbarem Wert. Wir sind dankbar für die Flexibilität und die Unterstützung, die es uns ermöglichen, sowohl unseren Sport auf höchstem Niveau zu betreiben als auch unser Studium erfolgreich zu absolvieren. Diese Synergie ist entscheidend für unsere Zukunft nach dem Leistungssport." 

-Sebastian Hendel

Sebastian Hendel

Das große Ziel - Marathon bei Olympia

Sebastian Hendel: Was alles hinter seinem starken Marathon-Debüt in München steckt

Erschienen am 12.10.2022 in der Freien Presse Vogtland

 Bei seinem Marathon-Debüt in München landete der Reichenbacher auf dem vierten Platz.

Der Reichenbacher ist mit seiner Zeit von 2:10:37 h auf Anhieb auf Platz 3 der deutschen und Rang 14 der europäischen Jahresbestenliste gelaufen. Für so eine Leistung muss nicht nur am Wettkampftag alles zusammenpassen.

Für den Livestream des Bayerischen Rundfunks war Sebastian Hendel am Sonntag offenbar zu schnell. Sein Zieleinlauf ging zwischen den Bildern der siegreichen Männer und Frauen unter. Aufhorchen ließ das starke Marathon-Debüt des 26-jährigen Reichenbachers, der in München in 2:10:37 h Vierter wurde, in der Lauf-Szene aber trotzdem. Schließlich waren in diesem Jahr nur zwei Deutsche auf der klassischen Distanz von 42,195 km schneller. "Freie Presse" listet auf, was alles hinter der Spitzenleistung des Vogtländers steckt.

Eine Menge Fleiß: Sebastian Hendel hat in Vorbereitung auf seinen ersten Marathon bis zu 190 Laufkilometer pro Woche absolviert. Viele seiner Einheiten absolviert er auf den Radwegen im Heinsdorfergrund und im Göltzschtal. "Dazu kommen drei bis fünf Stunden Alternativtraining", erklärt der Läufer, der 2018 deutscher Meister über 5000 und 10.000 m wurde und Deutschland bei der Heim-WM in Berlin vertrat. Am anstrengendsten empfindet er neben den langen Einheiten (bis zu 35 Kilometer im gesteigerten Dauerlauf), die Intervalle (4 x 5 km in Fast-Renntempo) und die so genannte Doppelbelastung. Das sind Trainingstage, an denen zwei schnelle Einheiten auf dem Plan stehen.

 Organisationstalent: Da Ehefrau Kristina Hendel ebenfalls Marathonläuferin ist (Team-Europameisterin 2022), haben die Eltern des sechsjährigen Jonathan früh gelernt, sich zu organisieren. Sie legen ihre erste Trainingseinheit oder andere Termine in der Regel auf den Vormittag, wenn der Sohnemann im Kindergarten ist. Am Nachmittag trainieren die Hendels nacheinander oder lassen Jonathan von den Großeltern oder Sebastians Schwester betreuen. "Wir wissen beide, was wir wollen und unterstützen uns gegenseitig", sagt Kristina Hendel, die ihren Mann in München auf dem Rad begleitet hatte. So kann Sebastian auch sein Studium in Zwickau (Wirtschaftsingenieurwesen) Stück für Stück vorantreiben. Das will er bis 2024 abschließen.

Das richtige Umfeld: Sebastian Hendel weiß nicht nur seine komplette Familie hinter sich, sondern auch viele verschiedene Partner im Vogtland. "Während andere Sportler an Bundesstützpunkten trainieren, haben wir uns in den vergangenen Jahren ein gutes Netzwerk aufgebaut, bei dem einfach viele Komponenten zusammenpassen und wir es auch finanziell hinbekommen", sagt der Topläufer. Er spricht von Glück, regionale Sponsoren an der Seite zu haben, die dem Läufer-Paar auch in schlechten Zeiten zur Seite standen, "weil sie nicht nur die Leistung sehen, sondern auch den Menschen dahinter". Insofern sieht er seinen Erfolg von München auch als Ergebnis von Teamwork und als Belohnung für alle zusammen, die ihn und seine Frau unterstützen.

Nehmerqualitäten: Muskelfaserriss, Achillessehnenprobleme und Post-Covid-Symptome: Die vergangenen drei Jahre waren - neben coronabedingten Wettkampfabsagen - für Sebastian Hendel nicht ganz einfach. In diesem Jahr musste die junge Familie zudem den frühen Tod von Kristinas Mutter wegstecken. "Es gab etliche Tiefs und Täler, in denen sich auch schon mal der Gedanke einschleicht, mit dem Leistungssport aufzuhören", sagt der Reichenbacher. Umso größer war bei ihm nach München die Erleichterung: "Es hat sich gelohnt, sich immer wieder aufzuraffen."

Ein Ausnahmetrainer: Sebastian Hendel wird seit seiner Kindheit von Vater Udo trainiert. Der Bäckermeister hätte sich schon längst mal eine Ehrung als "Trainer des Jahres" verdient, da er quasi nebenbei auch Läufer wie Tom Förster (aktueller Deutscher Meister im 10-km-Straßenlauf), Fabian Gering (U-20-Vize-Europameister über 10.000 m 2015) und Julian Gering (Teilnehmer der U-20-Cross-EM 2021) auf Top-Niveau führte. Warum die Vater-Sohn-Konstellation so gut funktioniert? "Es ist nicht so, dass wir immer einer Meinung sind und ich immer gleich hurra schreie. Aber wir reflektieren immer aufs Neue, was funktioniert und was nicht und haben so auch unsere Zusammenarbeit verbessert", erklärt Sebastian Hendel. Für ihn zählt neben Fachwissen bei einem Trainer vor allem auch das richtige Gefühl für den Sportler. "Und mein Vater kennt mich nun mal am besten", sagt er.

Nervenstärke: Der Wettkampftag in München begann für Sebastian Hendel mit ungewollter Aufregung: Der Busfahrer, der ihn und die Eliteläufer aus Afrika (nur zwei Europäer liefen unter die Top 10) vom Hotel abholen sollte, hatte verschlafen. So ging es mit fast 45 Minuten Verspätung zum Stadion. "Wir haben zwischendurch schon gezweifelt, ob wir rechtzeitig am Start sein werden", berichtet Sebastian Hendel. Er ließ sich vorm Start genauso wenig aus der Ruhe bringen wie im Rennen. Nachdem er schon vor Kilometer 20 Probleme hatte, fand er in seinen Rhythmus zurück. Als er zwischen Kilometer 30 und 36 nur 3:01 min bis 3:03 min pro Kilometer brauchte, wusste er, dass er es wie geplant unter 2:11 h schaffen kann.

Gesunder Ehrgeiz: Als Sebastian Hendel im Mai die angestrebte Qualifikation fürs 10.000-m-Rennen bei der EM in München verpasst hatte, brauchte er einige Tage, um das zu verarbeiten. "Aber Auf und Ab gehört im Leben dazu. Der Druck als Profisportler ist unheimlich groß. Du formulierst Ziele, weil du darauf angesprochen wirst und musst dich am Ende auch dem Urteil anderer unterwerfen, wenn es nicht funktioniert", sagt er. Die Kunst ist es für ihn, den Ehrgeiz und die Emotionen in die richtigen Bahnen zu lenken.

Planung bis ins Detail: Für einen Marathonlauf in 2:10 h müssen viele Details stimmen, darunter auch die Wettkampfverpflegung. So bedarf es einer gewissen Übung, bei einem Lauftempo von knapp 20 Kilometer pro Stunde insgesamt einen Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. "Das ist auch für den Magen eine riesige Herausforderung", erzählt Sebastian Hendel, der ab Kilometer 30 keinen Schluck mehr runterbekam. Beim Thema Ernährung holten sich die Hendels beim Ex-Iroman-Triathleten Ruedi Wild aus der Schweiz Rat. Dazu gehörte auch das so genannte Carbo Loading, bei dem unmittelbar vorm Wettkampf die Kohlenhydratspeicher quasi auf Teufel komm‘ raus aufgefüllt werden. "Ich habe das zuvor noch nie gemacht und auch als grenzwertig empfunden", sagt Sebastian Hendel. Doch der Erfolg gab der Maßnahme letztlich recht.

Das große Ziel: Nachdem es 2021 in Tokio für beide Hendels nicht mit einer Olympiateilnahme geklappt hat, ist nun Paris 2024 der große Traum. Als Ehepaar zu Olympia - seit Sonntag ist diese Vision wieder ein ganzes Stückchen realistischer geworden.

Die Pandemie

Das letzte Jahr war für mich, wie auch für viele andere kleine Betriebe, Familienväter und Studenten, über viele Monate hinweg recht schwierig.

Nun könnte ich darüber jammern, dass alle Sportgroßveranstaltungen entweder ständig verschoben oder abgesagt wurden.

Dass das Studium, die Arbeit und das Training im Homeoffice mit dem kleinen Sohn, der nicht in die KITA gehen kann, sehr anstrengend ist und man den Kleinen manchmal „fast auf den Mond schießen könnte“.

Dass viele Branchenzweige, von denen ich als Läufer mit abhängig bin, von der Pandemie stark gebeutelt sind, und ich mir im Moment auch nicht sicher sein kann, ob und wie lange ich noch als Sportler meine Familie über die Runden bringen kann.

Aber wer hat auf solche Nachrichten aktuell überhaupt noch Lust?

Mir persönlich geht diese Pandemie immer mehr auf die Nerven! Aber nicht, weil ich mit den Maßnahmen und den damit verbundenen Einschnitten in mein Leben höchst unzufrieden bin, sondern weil ich es Leid bin, tagtäglich mit dem Gejammer der Menschen und dem ganzen Corona-Medienrummel bombardiert zu werden.

Stattdessen habe ich hier lieber eine Liste von Dingen zusammengestellt, die sich aus meiner Sicht durch Corona positiv entwickelt haben:

  • Ich kann mit meinem Sohn soviel Zeit verbringen wie nie zuvor.
  • Keiner straft mich mehr mit bösen Blicken, wenn ich im Zug oder Bus versuche den Platz neben mir freizuhalten.
  • Es dauert Wochen oder Monate, bis irgendwer in der Öffentlichkeit merkt, dass ich unter der Maske mein Gesicht schon lange nicht mehr rasiert habe.
  • Die Bundesregierung hat endlich erkannt, dass Digitalisierung durchaus sinnvoll sein kann.
  • Die Preise von Bitcoins, ETFs und Pokémon Karten, also all die Dinge, die wir ‚Millennials‘ lieben, gehen durch die Decke.

Also versucht die Dinge nicht immer nur negativ zu sehen und macht euch nicht zu viele Gedanken über das Morgen. (Das machen wir uns ja bei der Umwelt auch nicht!).

Ich war schon immer der Überzeugung, dass man fast alle Probleme irgendwie überwinden kann, wenn man einfach versucht positiv auf die Dinge hinzuarbeiten, die einem wichtig sind. Alles andere ergibt sich dann schon meistens irgendwie.

Genauso sehe ich das auch zurzeit mit dem Sport. Ich trainiere im Moment so hart und fokussiert wie nie zuvor. Alles für die Chance, mich eventuell für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, die vielleicht nicht mal stattfinden können. Aber selbst, wenn ich in diesem Jahr an meinen Zielen scheitere oder die Spiele abgesagt werden, dann bin ich mir immer noch bewusst, dass ich alles dafür getan habe und wieder ein Stückchen an meinen Herausforderungen gewachsen bin. Genauso wie nach einer verhauenen Prüfung!

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich beim Mentor e.V. und seinen Mitgliedern für die Unterstützung bedanken!

Sportliche Grüße
Sebastian Hendel

Quelle: https://mentor-zwickau.de/Sebastian_und_Kristina_Hendel_%e2%80%93_Meister_der_Langstrecken

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